Cyclassics III

Endlich wieder Hamburger Cyclassics!

Seit der 15. Auflage der Hamburger Cyclassics – damals „noch“ oder besser „schon“ als Vattenfall Cyclassics bekannt – bin ich mehr oder weniger regelmäßig am Start. Nach den coronabedingten Ausfällen 2020 und 2021 kam die Veranstaltung in diesem Jahr allerdings etwas „überraschend“, hatte ich bei der Urlaubsplanung doch schlicht vergessen, diesen mir eigentlich so wichtigen Termin zu notieren.

So wurde – frisch aus dem Urlaub zurück – der Renner erst am Vortag geputzt und renntauglich gemacht.

Während ich mein Rad auf Vordermann brachte, versuchte ich mich an meine letzte Ausfahrt zu erinnern, die – wie mir schlagartig bewusst wurde – ganze sechs Wochen zurücklag. Ein paar gemütliche Runden mit dem Gravelbike, das musste in diesem Jahr als Vorbereitung ausreichen. Ich beschloss, mir mein Ziel „realitätsnah“ zu stecken und mich entsprechend zu motivieren. Drei Stunden für die 100 km – Strecke, das sollte machbar sein.

An Schlaf war am Vorabend natürlich nicht zu denken (wie üblich vor solchen Veranstaltungen), ich checkte in Gedanken mehrfach die Ausrüstung und wartete auf das (am Ende dennoch viel zu frühe) Klingeln des Weckers um 04:45 Uhr … Aufstehen, letzte Vorbereitungen, die Räder von Lars und mir ins Auto laden und ab zur Fähre nach Finkenwerder. Hier ist die Vorfreude schon deutlich zu spüren, ich habe morgens um 6:45 Uhr selten so viele Radfahrer mit einem breiten Grinsen im Gesicht gesehen.

Bevor es nun in die uns zugeteilten Startblöcke geht, wünschen wir uns BSV-Fahrern gegenseitig ein schönes und vor allem unfall- und pannenfreies Rennen. Der Start verschiebt sich um ein paar Minuten, was meiner nun stetig wachsenden Nervosität nicht unbedingt zuträglich ist. Aber dann geht es los… das Feld setzt sich in Bewegung und wir passieren schon die Zeitnahme mit etwa 30 km/h, da geht noch was.

Unser Block bleibt, bis auf einige Ausnahmen, die ersten Kilometer weitestgehend beisammen, das Tempo ist hoch (gut 45 km/h) und pegelt sich außerorts bei etwa 36-38km/h ein. Vom Adrenalin durchströmt versuche ich immer wieder, mich schnelleren Gruppen anzuschließen, was mal mehr, mal weniger erfolgreich ist. Erst nach etwa 50 km realisiere ich, dass es ein (für meine Verhältnisse) schnelles Rennen wird und ein 40er Schnitt in greifbare Nähe rücken kann.

Aber es kommt, wie es kommen musste… zuerst kann ich zwar einer direkt vor mir stürzenden Gruppe noch knapp ausweichen, aber keine 500 m später bemerke ich, dass das Fahren auf einmal wesentlich schwerer geworden ist. Mein hinterer Reifen ist platt. Nach kurzer Suche finde ich – eine Reißzwecke! Wie kommt so etwas auf die Straße? Ich rechne nach… ich habe etwa vier oder fünf platte Reifen im Jahr, wieso erwischt es mich ausgerechnet heute? Egal, die Ursache ist ja schnell gefunden, alten Schlauch raus, neuen Schlauch rein, noch einen großen Schluck aus der Trinkflasche und weiter gehts.

Meine Gruppe ist natürlich lange davongeradelt und so recht wollte sich auch keine passende „Mitfahrgelegenheit“ mehr finden – konnte ich so wenigstens mein ursprünglich angedachtes Ziel noch erreichen? Kurz Zeit und Restkilometer überschlagen, trotz der Panne hatte ich noch etwa 15 Minuten „Puffer“. Nun konnte ich auch die kurz vor Hamburg wieder lauter werdenden Anfeuerungsrufe vom Straßenrand genießen. Dann der finale Sprint auf der Mönckebergstraße – noch immer mit Gänsehauteffekt – nach fast 20 km Solofahrt bin ich am Ende aber doch froh, im Ziel zu sein. Spaß hat es gemacht – es ist und bleibt (immer wieder) ein schönes Rennen. Hamburg, wir sehen uns 2023!

Bericht von Gunnar Meistring

Die Cyclassics bedeuten ein schnelles Radrennen im Herzen einer der schönsten Städte Deutschlands und Umland, sowie eine tolle Atmosphäre mit den Zuschauern an der Strecke. Eines der Highlights für alle Jedermänner.

Für mich war es 2022 meine 11. Teilnahme. Das erste Mal bin ich 2004 mitgefahren, damals waren es noch die  HEW-Cyclassics. Angesteckt von der grandiosen Stimmung an diesem Tag bin ich dann nach und nach alle Strecken (55-100-155 Km) gefahren. Bei allem Spaß habe ich auch brenzlige Situationen und so manchen Sturz hautnah miterlebt, bin zum Glück selbst bislang unfallfrei geblieben. Zum 25. Jubiläumsrennen wurde ich wieder vom Fieber gepackt und habe mich diesmal für die kurze Strecke über 60 Km angemeldet.

Der Zeitplan am Sonntag des Rennens war voll durchgetaktet. 04:40 Uhr aufstehen, 05:00 Uhr Abfahrt, 06:00 Uhr Ankunft Hamburg Parkplatz, 06:10 Uhr Fertigmachen, 06:20 Uhr Startblock A – Aufstellung und dann 07:00 Uhr Start. 😊

Meine Strategie war im Hinblick auf die Sturzgefahr diesmal eine defensive Fahrweise. Also habe ich mich aus dem hektischen Treiben anfangs herausgehalten und die teils doch über motivierten Radfahrer ziehen lassen, um sicher aus der Stadt und bis Pinneberg zu kommen. Ab Wedel und Blankenese konnte ich dann in den Anstiegen einige Mitfahrer abschütteln. In einigen Abschnitten wurde es dann ziemlich eng auf der Straße, aufpassen war angesagt.

Einen Schockmoment hatte ich sechs Kilometer vor dem Ziel in Nienstedten am Ende der Elbchaussee, als eine kleine Gruppe unmittelbar vor mir ziemlich heftig stürzte. Ich hatte Glück und konnte gerade noch so ausweichen. Nicht anhalten und zurückschauen, nur kurz durchatmen und fokussieren. Anschließend durch Altona, Reeperbahn und über die Mönckebergstraße ins Ziel sprinten.

Geschafft, in Richtung Ballindamm ausfahren und dort die schöne Finisher-Medaille überreicht bekommen (mit reichlich Verpflegung). Um diese Uhrzeit (08:45 Uhr) war es auch noch nicht so voll, Zeit, durch die Hamburger Innenstadt zu rollen und sich von der tollen Atmosphäre mitreißen zu lassen. Eine besondere Attraktion für jeden Radsportfan war auch die Vorstellung der Rennradprofis auf der Bühne am Jungfernstieg mit dem anschließenden Start und dem Zielsprint in der Mönckebergstraße.

 

Bericht von Michael Meyer

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